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Die Kraft der Wut

Aktualisiert: 17. Mai

ich bin soooooo wüüüüteeend!!



Dieser Beitrag dient keiner Psychoanalyse und nutzt keine Quellen für die Aussagen. Dieser Beitrag dient dem Ausdruck meiner Selbsterfahrung und meinem Verständnis der Emotionen unserer Gesellschaft. Und wie sich diese auf das Essverhalten auswirken.

First of all: ich bin gerade so wütend!! (und ich hasse rot). Wütend über Dinge, die mich gerade beschäftigen. Über Dinge, die ich als ungerecht empfinde. Wut verspüre ich nicht oft und manchmal versteckt sie sich. Umso mehr freue ich mich, sie jetzt zu spüren.


An alle Frauen da draussen:

durftet ihr als Kind wütend sein? durftet ihr schreien, laut sein, auf den Tisch hauen, vielleicht sogar jemanden hauen wollen?

NEIN?!


ich glaube, es geht vielen so. Mädchen sind eher traurig. Weinen mehr, ziehen sich zurück oder suchen Trost in einer Umarmung. aber warum?? nun wie gesagt, hier könnte man in die Literatur gehen - aber dafür bin ich gerade einfach zu wütend :-)


 

Daher meine Hypothese:


Mädchen wird oft nicht den Raum ermöglicht, Wut auszuleben. Wut bei Mädchen wird oft als falsch/schlecht erzogen angeschaut. Wütend sein wird aufgehalten. Man soll doch als Mädchen fein und zart sein - herzlich und fürsorglich.




Wenn ein Junge wütend ist, ist das oft ein Zeichen von Charakter, Stärke, Autorität, Grenzen aufzeigen können. Das wird eher positiv angesehen - Zeigt Beschützerqualitäten und Alpha-Potenzial.



 

Wie war es in meiner Kindheit?


Ich kann mich gut erinnern, dass ich als Kind oft viel Wut in mir verspürte. Ich kann mich an Momente erinnern, wo ich in die Wand schlagen wollte, meine Mutter mich ins Zimmer brachte, dass ich mich beruhigen soll. In meinem Zimmer hätte ich am liebsten alles um mich geworfen. Dabei habe ich zeitgleich angefangen laut zu weinen - bis ich müde wurde. Auch als Teenager verspürte ich viel Wut. Wut wieder meiner Mutter gegenüber. Mütter haben mir schon oft gesagt, dass ihre Kinder bei ihnen am meisten ihre Grenzen austesten. Am meisten Emotionen zeigen. Dort wo Kinder sich am sichersten fühlen, dort leben sie auch alle Emotionen aus. Ein Kind will jede Emotion leben - auch die Wut. Bei der Mutter geht das am besten - wenn das der sichere Hafen ist. Denn man weiss, die Mutterliebe ist bedingungslos.


Ich kann mich aber auch daran erinnern, dass die Wut in der Jugend und auch später immer mehr weniger ausgelebt wurde. Natürliche entwickelt man als junge Erwachsene eine höhere Toleranzschwelle - aber ich habe realisiert, dass ich ebenfalls mir damals beigebracht habe - meine Emotionen anderweitig zu regulieren.


Wut versteckte sich bei mir immer mehr in Trauer - Wut versteckte sich immer mehr

im Essen. Wenn ich also Wütend oder aufgewühlt war, habe ich anstatt diesem Gefühl Raum zu geben - ganz einfach gegessen oder geweint. Oder noch besser:

beides zusammen.

etwa so:


In den letzten Jahren - durch meine persönliche und berufliche Weiterentwicklung - habe ich realisiert, dass dieses Muster kein Einzelfall ist.

Frauen neigen zu emotionalem Essen und Männer zu Suchtmittelmissbrauch

(meine Annahme / keine Quelle).


 

Was würde also passieren, wenn wir alle Wut mehr fühlen würden?
Wie können wir wieder lernen, Wut zu fühlen und nicht versuchen mit Essen zu regulieren?

Meine persönliche Anleitung dazu:


  1. Lupe hervor nehmen: Wir müssen uns mit unserer Gefühlswelt auseinandersetzen.

    1. Wann kommt das Bedürfnis nach Essen auf?

    2. wann brauche ich mich zu regulieren?

  2. Wut betrachten: Wenn ich mir bewusst werde , wann ich zum Essen greife, um mich zu regulieren - Dann wünsche ich dir einen geschützten Raum in dir / bei dir / bei jemandem vertrauen / bei einer Therapie um sich den Fragen zu widmen:

    1. Wie zeigt sich die Wut in mir?

    2. Woher kommt diese Wut?

    3. Was will mir die Wut sagen?

  3. in Fühlen kommen: Wenn ich mich diesen Fragen widme, komme ich (bestmöglich) ins Fühlen und Erleben dieser Emotion. in diesem geschützten Raum soll und darf diese Emotion aufkommen und vom geschützten Raum verkörpert werden "du bist hier sicher" - "ich bin bei dir".

  4. Sensitivität und Bewusstsein stärken: Je mehr ich mich dem Ursprung der Wut im Klaren bin, und mir meinen Strategien davon bewusst werde - desto sensibilisierter wird man - wie man in kommenden Situationen auf was, wie reagiert (und es fühlt sich weniger fremdverschuldet an).

  5. Schritt für Schritt alte Strategie ablegen: Je mehr ich lerne, dass das Fühlen der Emotionen keine Gefahr oder Konsequenzen mit sich bringt. Je mehr ich lerne, dass ich mich Halten kann, während ich die Emotion verspüre. Je mehr ich lerne, dass das Gefühl wieder vorbei geht - desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass man die alten Strategien immer mehr und mehr ablegt.


Affirmationen
Ich darf Wut verspüren
Ich kann mir den Raum geben, die Wut zu verspüren
Ich löse mich vom Essen, dass mir früher geholfen hat, die Wut zu regulieren. Danke für den Dienst, wo ich es brauchte.

Wut zu spüren kann so kraftvoll sein - so viel Energie geben - es kann so viel schönes daraus entstehen. Mit Wut setzen wir Grenzen, mit Wut schützen und sorgen wir uns selbst. Mit Wut können wir kämpfen, uns verteidigen, für uns einstehen.


 

An dieser Stelle:


Wut hat nichts mit Gewalt oder mit Unerzogen sein zu tun. Lass uns Wut fühlen und leben - lass uns mal schreien, toben, auf dem Boden Rollen, in den Boxsack schlagen (das hilft mir persönlich sehr), losrennen, hüpfen und toben.


Lass uns die Kraft hinter der Wut erkennen und unseren Mitmenschen ebenso erlauben - wütend zu sein. Wenn wir unsere eigene Wut erlauben, können wir auch Wut von anderen liebevoll begegnen und aushalten (darin übe ich mich noch .. ).





Kraftvolle Grüsse und jetzt bin ich schon nicht mehr so wütend .. :)


Samira


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